Am vergangenen Wochenende wurde nochmal daran erinnert: Andrew Schembri wird auch in der kommenden Saison das Trikot des Deggendorfer SC tragen, nachdem er in der Vorsaison einen Zweijahresvertrag unterschrieben hatte. Für den DSC heißt das, dass eine wichtige Korsettstange im Team erhalten bleibt. Nicht nur auf dem Eis, denn Schembs ist nicht nur Torjäger und harter Arbeiter. Er ist längst eine Identifikationsfigur für das Deggendorfer Eishockey. Kurz: Ein Spieler, den die Fans lieben, sofern ihr Herz für den DSC schlägt natürlich.

Dabei war das auch schon anders. Nach seiner College-Zeit an der Ohio-State, mit der er die Meisterschaft in der renommierten NCAA feiern konnte, startete Schembri seine Profikarriere in Miesbach. Schon dort war er nicht nur Topscorer, sondern, und da sprechen 138 Strafminuten im ersten und 140 Minuten in seiner zweiten Saison für die Oberbayern eine deutliche Sprache, ein Spieler, der sprichwörtlich unter die Haut geht. Nicht nur bei seinen Gegenspielern, sondern auch bei den Fans. Trotz seiner Körpergröße von „nur“ 1,70 m war er schon damals bei jedem Schritt auf dem Eis im Fokus.

Über die Niederlande und Dortmund dann zur Saison 2011/12 der Wechsel nach Deggendorf. Wenn Schembri heute selbst zurückblickt, natürlich ein Schritt, der seine Karriere nachhaltig beeinflussen sollte. So klar, war das damals allerdings noch nicht: „Ich habe nie darüber nachgedacht, wie lange ich bleiben würde. Vielleicht ein paar Jahre und dann weiter zum nächsten Team. Ich habe damals sehr im Moment gelebt und dachte von Saison zu Saison. Aber ich kannte Deggendorf aus meiner Zeit in Miesbach. Ich konnte mich an die Fans erinnern, die immer intensiv und leidenschaftlich waren. Als Spieler der gegnerischen Mannschaft hast du da wirklich was auf die Ohren bekommen. Als ich dann nach Deggendorf gekommen bin, war mein erster Gedanke: Wow! Was für eine schöne Stadt. Die Donau und der Bayrische Wald im Hintergrund.“ Aus der damaligen Mannschaft steht heute nur noch Nico Wolfgramm im Kader des DSC. Fast unnötig zu erwähnen, dass Schembri gleich in seiner ersten Saison für Deggendorf wieder Topscorer mit 64 Punkten aus 33 Spielen der Hauptrunde und 6 Punkten in 4 Play-Off-Spielen war.

Nach 3 erfolgreichen Spielzeiten als Topscorer dann das Aus für den sympathischen Angreifer. Die damalige Vereinsführung wollte einen Wechsel auf der Ausländerposition und Schembri wechselte nach Erding. Heute sieht er die damalige Situation professionell: „Ich kenne das Eishockey-Geschäft und habe deswegen keine schlechten Gefühle. Ich wollte nicht weit weg von meinem damaligen Wohnort und bin deshalb in Erding gelandet. Im Folgejahr bin ich dann mit meinem deutschen Pass zurückgekehrt. Mit einem guten Gefühl, denn mir gefiel, in welche Richtung der Verein gehen wollte.“

Den Richtungswechsel unter Artur Frank als Vereinsvorstand hat Schembri dann die nächsten Jahre begleitet und maßgeblich geprägt. Auch eine schwere Knieverletzung, die den Deutsch-Kanadier fast die komplette Saison 2016/17 gekostet hat, konnte ihn nicht stoppen. Zur Saison 2017/18 war er zurück und spielte, als wäre nichts gewesen und hatte einen ganz wesentlichen Anteil daran, dass der DSC am Ende in die DEL2 aufsteigen konnte.

Für die DEL2 hatte manch Skeptiker prophezeit, dass er aufgrund seiner Statur keine große Rolle spielen würde und erneut bewies er, dass er alles mitbringt, was ein Eishockeyspieler für den Erfolg braucht: Mit Leidenschaft, Kampfgeist und topfit war er auch eine Spielklasse höher ein entscheidender Faktor im DSC-Trikot. Mehrmals wurden seine Tore zum Tor des Monats gewählt, denn die Art und Weise, wie er sie erzielte, forderten ganz offensichtlich auch Anerkennung und Respekt bei den Fans der anderen Teams ein.

Nach einer Saison mit 62 Punken (22 Tore und 40 Vorlagen) in 40 Spielen, die nach einer Verletzung für Schembri noch früher zu Ende war, als für den Rest der Mannschaft und er eigentlich zu den Play-Offs zurückkehren sollte, ist das Comeback für die Nr. 74 nun für die kommende Saison geplant. Dass er dann wieder im Team steht, freut auch seinen neuen Trainer Henry Thom: „Als gegnerischer Trainer wusste ich, dass man auf Andrew immer achten muss. Er stielt sich gerne weg und geht auch da hin, wo es weh tut. Er ist immer gefährlich und mit seiner hard-nosed Art zu spielen, geht er immer unter die Haut. Ich hatte ein super Gespräch mit ihm, als ich zuletzt in Deggendorf war und freue mich, dass ich Andrew jetzt in meiner Mannschaft habe.“

In diesem Sommer wird sich Schembri ausschließlich in Deutschland auf die neue Saison vorbereiten, denn aufgrund der Corona-Problematik ist der Urlaub in der kanadischen Heimat dieses Jahr nicht möglich. Gedanken über seine weitere Zukunft mach er sich dabei trotz seines Alters, immerhin feiert er im August zum 38. Mal seinen Geburtstag, auch: „Manchmal kommen mir natürlich auch Gedanken in den Kopf, dass ich nicht für immer spielen kann und frage mich, was die Zukunft wohl bringen wird. Ich denke, dass ich noch ein paar Jahre vor mir habe, so dass ich mich darauf voll konzentrieren kann. Danach werden wir sehen, ob ich auf irgendeine Weise das zurückgeben kann, was mir dieser großartige Sport gegeben hat.“

Bis die Fans den abseits der Eisfläche stehts bescheidenen Wirbelwind wieder auf dem Eis sehen können, hat Schembs noch einen Wunsch an die Fans: „Ich möchte mich bei allen für die Unterstützung während all der Jahre bedanken. Es war ein toller Ritt bis hier und ich hoffe, dass wir noch viele erfolgreiche Jahre vor uns haben.“